Thursday, August 26, 2021

On John Rawls's "A Theory of Justice"

A forthcoming issue of "Polity" (Vol. 53, No. 4, 2021) features six articles on John Rawls's "A Theory of Justice":

Robyn Marasco - "Introduction" [PDF]

* Melissa Williams - "Political Rawls"

* Murad Idris - "Rawls, Genealogy, History"

* Ruth Abbey - "Recovering Conceptions of Time from A Theory of Justice" [+ paper, PDF]

* Robert S. Taylor - "Reading Rawls Rightly: A Theory of Justice at 50" [+ paper, PDF]

* William Clare Roberts - "Do We Live in a Society?"

* Clare Chambers - "Rereading A Theory of Justice"


Monday, August 23, 2021

International Conference on Habermas's "Auch eine Geschichte der Philosophie"

An international conference on Jürgen Habermas's book "Auch eine Geschichte der Philosophie" (2019) will be held in Vienna on September 22-24, 2021, organized by Professor Hans Schelkshorn and Professor Rudolf Langthaler, the Faculty of Catholic Theology, University of Vienna.

Speakers: Adela Cortina, Gerardo Cunico, Maximilian Forschner, Friedrich Wilhelm Graf, Ludwig Honnefelder, Maureen Junker-Kenny, Theo Kobusch, Rudolf Langthaler, Christoph Markschies, Eduardo Mendieta, Ludwig Nagl, Heiner Roetz, Hans Schelkshorn, Thomas Schmidt, Notger Slenczka, Magnus Striet.

More information will follow here and here.

Update: Programme [PDF].

Monday, August 16, 2021

Structural transformation of the public sphere [updated]

New article by Jürgen Habermas on the structural transformation of the public sphere: Forthcoming in "Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit?", ed. by  Martin Seeliger & Sebastian Sevignani (Nomos Verlag, 2021), pp. 470-500.

The title of Habermas's essay is "Überlegungen und Hypothesen zu einem erneuten Strukturwandel der politischen Öffentlichkeit".



Excerpts:

"Ein demokratisches System nimmt im ganzen Schaden, wenn die Infrastruktur der Öffentlichkeit die Aufmerksamkeit der Bürger nicht mehr auf die relevanten und entscheidungsbedürftigen Themen lenken und die Ausbildung konkurrierender öffentlicher, und das heißt: qualitativ gefilterter Meinungen, nicht mehr gewährleisten kann. (…..) Nicht die Häufung von Fake News sind eine verbreitete Deformation der Wahrnehmung der politischen Öffentlichkeit signifikant, sondern der Umstand, dass aus der Perspektive der Beteiligten Fake News gar nicht mehr als solche identifiziert werden können. (…..)"

"Gewiss, wenn wir uns an die komplexen Bestandsvoraussetzungen der von Haus aus krisenanfälligen kapitalistischen Demokratien erinnern, liegt es auf der Hand, dass ein Funktionsverlust der politischen Öffentlichkeit tiefer liegende Gründe haben kann. Aber das dispensiert uns nicht davon, nach naheliegenden Gründen zu suchen.
Eine solchen Grund sehe ich in der Koinzidenz der Entstehung des Silicon Valley, also der kommerziellen Nutzung des digitalen Netzes, auf der einen und der globalen Ausbreitung des neoliberalen Wirtschaftsprogramms auf der anderen Seite. Die global erweiterte Zone freier Kommunikationsflüsse, die damals durch die Erfindung der technischen Struktur des "Netzes" ermöglicht worden ist, hat sich von Hus aus als das Spiegelbild eines idealen Marktes angeboten. Dieser Markt musste nicht erst dereguliert werden. Dieses suggestive Bild wird freilich inzwischen durch die algorithmische Steuerung der Kommunikationsflüsse gestört, von der die Konzentration der Marktmacht der großen Internetkonzerne zehrt. Die Abschöpfung und digitale Verarbeitung der persönlichen Kundendaten, die mehr oder wenigen unauffällig gegen die kostenlos zur Verfügung gestellten Information der Suchmaschinen, der Nachrichtenportale und anderer Dienstleistungen eingetauscht werden, erklärt, warum die EU-Wettbewerbskommissarin diesen Markt regulieren möchte. Aber das Wettbewerbsrecht ist der falsche Ansatz, wenn man den Grundfehler korrigieren will, dass die Plattformen, anders als die klassischen Medien, für die Verbreitung von wahrheitssensiblen, also täuschungsanfälligen kommunikativen Inhalten keine Haftung übernehmen wollen. Dass Presse, Rundfunk und Fernsehen beispielsweise dazu verpflichtet sind, Falschmeldungen zu korrigieren, macht auf jenen Umstand aufmerksam, der hier interessiert. Wegen des besonderen Charakters ihrer Waren, die eben keine bloßen Waren sind, können sich auch die Plattformen nicht jeder publizistischen Sorgfaltspflicht entziehen.

Auch sie sind verantwortlich und müssen für News haften, die sie weder produziert noch redigieren; denn auch diese Informationen haben eine meinungs- und mentalitätsbildende Kraft. In erster Linie unterliegen sie nicht den Qualitätsstandards von Waren, sondern den kognitiven Standards von Urteilen, ohne die es für uns weder die Objektivität der Welt von Tatsachen noch die Identität und Gemeinsamkeit unserer intersubjektiv geteilten Welt geben kann. In einer schwer vorstellbaren "Welt" von Fake News, die nicht mehr als solche identifiziert, also von wahren Informationen unterschieden werden könnten, würde kein Kind aufwachsen können, ohne klinische Symptome zu entwickeln. Es ist deshalb keine politische Richtungsentscheidung, sondern ein verfassungsrechtliches Gebot, eine Medienstruktur aufrecht zu erhalten, die den inklusiven Charakter der Öffentlichkeit und einen deliberative Charakter der öffentlichen Meinungs- und Willensbildung ermöglicht." (p. 498f)     

Tuesday, August 10, 2021

Habermas on Karl Heinz Bohrer

Jürgen Habermas has written a remembrance of the German literary scholar Karl Heinz Bohrer, who died last week at the age of 88:

"Literatur und Leben als Lebensthema. Erinnerung an Karl Heinz Bohrer"

(Frankfurter Allgemeine Zeitung, August 11, 2021)


Excerpt:

"Zwar hat Bohrer seinem grollenden politischen Temperament nie entsagt, aber das Projekt, die Kunst für eine Revolutionierung des gesellschaftlichen Lebens in Dienst zu nehmen, erschien ihm als Verrat an der Radikalität der schockierend-augenöffnenden ästhetischen Erfahrung. Das hereinbrechend Explosive und Plötzliche dieser Erfahrung mochte in der künstlerischen Fantasie eine Ähnlichkeit mit den seltenen, von [Walter] Benjamin beschworenen revolutionären Zäsuren der Geschichte haben; aber die Kunst würde den Panzer der Normalität, das Gewöhnliche und die Kontinuität der klebrigen Alltäglichkeit nur durchschlagen können, solange sie das Außeralltägliche, das schechthin Andere des Lebens blieb. Anderseits musste dieses Moment der Unversöhnlichkeit von Kunst und Leben selber gelebt werden. Gegenüber den platonischen Anbetern der reinen Form blieb Bohrer ein Existenzialist. In den Texten von Friedrich Schlegel har er dann nach der Radikalität dieser gelebten Unvereinbarkeit von Kunst und Leben gefahndet; auch deshalb ist für ihn die frühe Romantik immer ein wesentlicher Teil der Aufklärung geblieben." (.....)

"Um einem Missverständnis vorzubeugen: Bohrer war alles andere als ein Esoteriker, er war Rheinländer. Ich erinnere keine Situation, in der Karl Heinz seinen kölschen Tonfall verloren oder gar verleugnet hätte. Einmal hat er mir die heimatlichen Gefühle gestanden, die ihn jedes Mal erfassten, wenn er auf dem Wege von Paris zu seinem Lehrbetrieb in Bielefeld den Rhein überquerte. Über politische Distanzen hinweg habe ich dem rheinischen Landsmann immer freundschaftlich vertraut."