Sunday, September 13, 2026

Habermas und die Transzendenz (video)

Video of lectures and discussion from the event:

"Ein Bewusstsein von dem, der fehlt – Habermas und die Transzendenz" (1:39:00)

September 12, 2026, Haus am Dom, Frankfurt am Main


* Einführung: Johannes Lorenz, Katholische Akademie Rabanus Maurus (00:00)


* Martin Breul, Professor für Theologie und Philosophie, Technische Universität Dortmund (09:36)

- Habermas' Überlegungen zur "postsäkularen Gesellschaft"

- Theologische Hausapotheke

- Die Rede von Transzendenz in "Auch eine Geschichte der Philosophie"


* Annette Langner-Pitschmann, Professorin für Religionsphilosophie der Gegenwart, Goethe-Universität Frankfurt (58:04)

- Die Religion als Korrektiv der Moderne

- "Starke Transzendenz"? Kleine Auswahl an Rückfragen

- Transzendenz im metaphysischen Denken

- Motive nachmetaphysischen Denkens

- Transzendenz im nachmetaphysischen Denken

- Muss sein, kann aber nicht sein: Ein Ausblick


Friday, August 14, 2026

Habermas’s House to Be Protected

Jürgen Habermas’s house in Starnberg will be placed under heritage protection as “an important testimony to the transition from the neo-functionalism of post-war modernism to postmodernism.”

The Süddeutsche Zeitung publishes an interview with Mathias Pfeil, head of the Bavarian State Office for Monument Protection.

"Vernunft, in der man leben kann" (Süddeutsche Zeitung, 14-08-2026)


Excerpts

SZ: Warum haben Sie das Haus von Jürgen Habermas jetzt unter Denkmalschutz gestellt?

Mathias Pfeil: Wir wussten, dass das Haus bedeutend ist. Als Habermas gestorben ist, haben wir Anfragen von Leuten bekommen, die das Gebäude kennen, auch von Christoph Sattler, einem der beiden Architekten. Sie fürchteten, dass es geschädigt werden könnte. Und dann haben wir nach einer gewissen Zeit, um die Familie trauern zu lassen, angeklopft. Zur Bedeutung der Architektur kam die Prominenz des Bewohners.

SZ: Ist die Familie einverstanden? Vermutlich ist der Wert um einiges gesunken.

Mathias Pfeil: Das Haus hat eine gesellschaftliche Anerkennung erfahren. Gemindert ist der Wert nur für die, die auf dem Grundstück etwas komplett anderes hätten machen wollen. Die Familie ist froh, dass es erhalten bleibt.

SZ: Viele fordern, das Haus solle öffentlich genutzt werden, für Residencies, als Studienzentrum, für Forscher. Ist Ihre Entscheidung ein Schritt in diese Richtung?

Mathias Pfeil: Nein, es könnte ebenso gut eine Familie einziehen. Die Denkmalpflege interessiert sich für die Substanz. Die Nutzung ist für uns nur insofern wichtig, als durch sie die Architektur nicht geschädigt werden darf. Das ist ein Wohnhaus und kann als Wohnhaus genutzt werden. Habermas ist gestorben und hat seinen Teil dazu beigetragen, dass hier ein nutzbares dreidimensionales Denkmal für ihn steht. Ich finde, das reicht. Natürlich wäre eine Nutzung im Gedenken an Habermas begrüßenswert, aber das können wir nicht erzwingen. Und angenommen, eine Familie würde da einziehen, dann stellt die ihre eigenen Möbel rein, sicher lesen sie gern. Ich fände das schön. Wir lassen das Leben wiederkommen.

Ringstraße 8b, Starnberg



Tuesday, July 28, 2026

Reviews of Habermas's "Also a History of Philosophy"

Reviews of Jürgen Habermas's "Also a History of Philosophy", Volume I-III (Polity Press):

* Andrew Buchwalter - "Also a History of Philosophy, Vol: III: Rational Freedom: Traces of the Discourse on Faith and Knowledge", Notre Dame Philosophical Reviews, 06-02-2026.

* Volkan Çıdam - "Habermas’s Genealogy of Rational Freedom – Vindicating Postmetaphysical Thought in Dialogue with Judeo-Christian Faith?", Journal of Social and Political Philosophy, vol. 4, no. 2 (2025), pp. 219-228.

J. D. Evans - "Also a History of Philosophy, Vol. I-III", Marx & Philosophy Review of Books, 21-09-2025.

Todd Gooch - "Jürgen Habermas and the Postmetaphysical Fate of the Discourse on Faith: A Review Essay", Journal for the History of Modern Theology, forthcoming. [Volume III]

* Mark Hannam - "Defending Democracy", Times Literary Supplement, 23-02-2024.

* Martin Jay - "Also a History of Philosophy, Vol: II: The Occidental Constellation of Faith and Knowledge", Notre Dame Philosophical Reviews, 06-05-2025.

* Michael Maiden - "Jürgen Habermas: Also a History of Philosophy, Volume I", Phenomenological Reviews, 25 March 2024.

Matt McManus - “Jürgen Habermas Calls for Realizing the Ideals of Modernity, not Rejecting Them”, The Bias, 19-03-2025 (ChristianSocialism.com) [Volume I-II]

Matt McManus - "Is Modern Philosophy Emancipating? Jürgen Habermas Thinks So", The Bias, 28-08-2025 (ChristianSocialism.com) [Volume III]

* William Outhwaite - "Book review: Also a History of Philosophy", Journal of Classical Sociology, vol. 25, no. 4 (2025), pp. 450-451.

* Dafydd Huw Rees - "Also a history of philosophy, volume I; Jürgen Habermas", Contemporary Political Theory, vol. 24, no. 2 (2025), pp. 321-324.

William Rehg - "Also a History of Philosophy, Vol. I: The Project of a Genealogy of Postmetaphysical Thinking", Notre Dame Philosophical Reviews, 08-07-2026.


See also my bibliography of books and articles on “Auch eine Geschichte der Philosophie”.


Friday, July 24, 2026

New edition of "Die Moderne – ein unvollendetes Projekt"


Die Moderne – ein unvollendetes Projekt

von Jürgen Habermas 

Hrsg. von Oliver Jahraus

(Ditzingen: Reclam, 2026)

154 Seiten







Kurzbeschreibung

"Mit dem wahrscheinlich wichtigsten Aufsatz von Jürgen Habermas lässt sich leicht ein Zugang zu seinem gesamten Denken öffnen. Der ursprünglich als Rede gehaltene Text ist außerdem eine Hommage an Habermas’ Lehrer Adorno, in dem er die Tradition der Kritischen Theorie aufnimmt und aktualisiert. Schließlich ist die Rede ein Klassiker der Soziologie, dessen Titel geradezu sprichwörtlich geworden ist: Statt postmoderner Überwindung der Moderne soll das Erbe der Aufklärung in der Moderne als Projekt im Dienst einer offenen Gesellschaft verwirklicht werden. Der Band bietet neben Text und Kommentar zugleich einen Überblick über Habermas’ Gesamtwerk, das heute aktueller ist denn je."

Inhalt

"Die Moderne – ein unvollendetes Projekt" (1980) - Jürgen Habermas [S. 5-33]

Anmerkungen [S. 37-54]

Literaturhinweise [S. 55-65]

Nachwort: "Die Moderne: die Verteidigung des Projekts und das Projekt ihrer Verteidigung" - Oliver Jahraus [S. 67-152]


* Der Text von Habermas wurde ursprünglich veröffentlicht in: Jürgen Habermas, Kleine Politische Schriften I–IV (Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1981), S. 444–464. Wiederabgedruckt wurde er unter anderem in: Jürgen Habermas, Die Moderne – Ein unvollendetes Projekt. Philosophisch-politische Aufsätze 1977–1990 (Stuttgart: Reclam, 1990), S. 32–54, sowie in: Jürgen Habermas, Zeitdiagnosen. Zwölf Essays 1980–2001 (Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 2003), S. 1–26.


Friday, June 12, 2026

Philosophie Magazin, Special Issue on Habermas

Philosophie Magazin, Special Issue No. 37: "Habermas. Sein Leben. Sein Denken. Sein Erbe"


* Axel Honneth, Eva Gilmer, Philipp Felsch & Rahel Jaeggi – "Habermas war immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort" (interview)

* Stefan Müller-Doohm – "Ein Denker am Puls der Zeit"

* Hauke Brunkhorst – "Sein Ziel war eine nicht vermachtete Meinungsbildung" (interview)

* Josef Früchtl – "Klang der Öffentlichkeit"

* Jörg Später – "Ein Reformer in Frankfurt"

* Jannis Puhlmann – "Der Positivismusstreit"

* Seyla Benhabib – "Habermas verteidigt das Erbe der Aufklärung" (interview)

* David Strecker – "Befreiung der Vernunft"

* Svenja Flasspoehler – "Habermas – ein Schmittianer? "

* Jana C. Glaese – "Kommunikation und ihre Kritiker"

* Isabelle Aubert – "Pariser Begegnungen"

* Dan Diner – "Habermas winkte wütend und zeigte an, dass es einen Skandal gebe" (interview)

* Christoph David Piorkowski – "Ein Streit um das bundesdeutsche Selbstverständnis"

* Rainer Forst – "Demokratie lebt vom Anspruch auf öffentliche Rechtfertigung" (interview)

* Oliver Eberl – "Die erschöpfte Demokratie"

* Klaus Viertbauer – "Glauben und Wissen befruchten sich gegenseitig" (interview)

* Friedrich Weißbach – "Europa als Chance"

* Maria Paiva Krug – "Ein Verfechter Europas"

* Conrad Heilmann – "Maas und Moderne"

* Ge Wang – "Habermas in China"

* Maria Paiva Krug – "Globale Theorie"

* Jan-Philipp Kruse – "Demokratien sind angewiesen auf eine deliberative Qualität" (interview)

* María Pía Lara – "Habermas und der Feminismus"

* Asef Bayat – "Habermas in Kairo lessen"

* Margreth Lünenborg – "Laut, körperlich, emotional"

* Moritz Rudolph – "Dialektik der Verschlechterung"

Tuesday, June 09, 2026

Memorial Ceremony for Habermas in Frankfurt’s Paulskirche

A memorial ceremony for Jürgen Habermas will be held in Frankfurt's Paulskirche on Friday, June 19, at 12:00 p.m. 

The memorial address will be delivered by Federal President Frank-Walter Steinmeier

The historian Norbert Frei will speak about Jürgen Habermas and the Federal Republic of Germany, while the philosopher Cristina Lafont will address Habermas’s philosophical legacy.

Further information is available here.


Update 21/6:

Reports from the event:

* Michael Hesse - "Ich dachte laut mit Habermas" (Frankfurter Rundschau)

* Alexander Cammann - "Umkämpftes Erbe" (Die Zeit)

* Tobias Rapp - "Wem gehört Jürgen Habermas?" (Der Spiegel, online)


Thursday, May 28, 2026

Frankfurt symposium in memory of Jürgen Habermas [updated]

A symposium in memory of Jürgen Habermas will be held at Goethe University Frankfurt on Friday, June 19, 2026.

Panel “Democracy in Times of Authoritarianism”

* Simone Chambers 

* Peter Gordon 

* Michael Zürn 

Chair: Peter Niesen 

Panel “The Communicative Turn in Philosophy and Sociology”

* Seyla Benhabib 

* Hauke Brunkhorst

* Vera King

Chair: Klaus Günther

Keynote: „Der normative Eigensinn des Anderen. Habermas im Dialog mit Adorno“

* Axel Honneth 

Chair: Rainer Forst 


The event will be held in English and is open to the public. Admission is free.

Livestream on YouTube.

Further information is available here.


Thursday, May 14, 2026

New book: Critical theory and the political


Critical theory and the political

Ed. by Anastasia Marinopoulou 

(Manchester: Manchester University Press, 2026)

257 pages








Description

The book addresses what is political in critical theory and which aspects, arguments or notions of critical theory maintain political significance for the 20th and the 21st centuries. The collection of essays comprises itself of a series of clear and critical perspectives that analyze the extent to which critical theory relates political argument to modern societies and, thereby, exerts a critique of the multiple social and political phenomena of late modernity. The contributors focus on a multiplicity of universal phenomena such as globalization, multiple crises, late capitalism and the social role of the sciences, and posit some novel criticism of the contemporary social sphere, as it is situated within the wider system of global capitalism. They also present a plurivalent critique that links arguments in Marxism and Freud to all three generations of critical theory.

Contents

Preface by Darrow Schecter [Preview]

Introduction - Anastasia Marinopoulou [Preview]

Part I: Essential political notions of critical theory

1. Critique, negation, politics - Stephen Eric Bronner [Preview]

2. Between ideals and realism: On the "political" in Max Horkheimer's early thought [Abstract] - Malte Frøslee Ibsen

Part II: Democracy

3. Critical theory and democracy: From Kant to Habermas and then back to the "Dialectic of Enlightenment" - Anastasia Marinopoulou

4. On the ambivalent effects of politicising justice - Esther Neuhann

Part III: Political power, civil society and globalisation

5. From the critique of power to critical institutionalism - Hubertus Buchstein

6. Guardians of legitimacy: Habermas on civil disobedience as radical democratic practice - Jeffrey Flynn

7. Can housing be unfair? Towards a critical theory of injustice - Regina Kreide

Part IV: Epistemology and the political

8. Critical theory and the realist critique of normative political theory - Kenneth Baynes

9. Power, reasons, and ideology: On the epistemology and metaphysics of noumenal power - Matteo Bianchin

Part V: Praxis, public sphere and political communication

10. The limits of critical democratic theory regarding structural transformations in twenty-first century left politics - David Ingram

11. New challenges for critical theory: Deliberative public sphere and political communication in the new hybrid media system [PDF] - Luca Corchia

Postscript by Joshua Clover


Excerpts from the book’s chapters are available here.


Wednesday, April 01, 2026

Funeral Sermon for Jürgen Habermas

The theologian Friedrich Wilhelm Graf (Munich) delivered the sermon at the funeral of Jürgen Habermas, at Söcking Cemetery in Starnberg, on March 20, 2026:

"Predigt am Sarge von Jürgen Habermas

(Frankfurter Allgemeine Zeitung, April 1, 2026)


Excerpts:

Der Tod bedeutet den endgültigen Abbruch aller Kommunikation. Wir können nicht mehr sagen, was wir Jürgen Habermas gern noch hätten mitteilen wollen. Der Tod macht uns ratlos und stumm. Er erzeugt elementare Sprachlosigkeit. Die einzige Sprache, in der wir die Endlichkeit unseres Lebens, unser aller Sterblichkeit, thematisieren können, ist die Bildersprache der Religion; das hat Jürgen Habermas oft betont. Selbst wer mit den jüdischen und christlichen Symbolen nicht mehr viel anzufangen weiß, selbst wer religiös unmusikalisch geworden ist, wer die Glaubenssprache nicht mehr spricht und versteht, ist angesichts des Todes eines nahen, geliebten Menschen doch auf die uralten Glaubensbilder angewiesen – jedenfalls dann, wenn er dem Tod nicht das letzte Wort lassen und in absolute Sprachlosigkeit versinken will. Um unsere tiefe Trauer, unseren Trennungsschmerz äußern, artikulieren zu können, beginnen wir unseren Abschied von Jürgen Habermas deshalb mit einer Erinnerung daran, was die Heilige Schrift über Leben und Tod von uns Menschenkindern in Psalm 103 der Hebräischen Bibel sagt. Aus dem 4. Kapitel des Evangeliums nach Johannes lese ich den 24. Vers: "Denn Gott ist Geist; deshalb müssen die, die ihn anbeten wollen, ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten." (...)

Als Jürgen Habermas mich im Januar bat, den Gottesdienst zu seiner Beerdigung zu halten, sagte ich ihm selbstverständlich zu; schon seiner Frau Ute hatte ich dies vor fünfzehn Jahren versprochen. Auf mein "Ja" reagierte er mit dem Satz: "Sie wissen ja, dass ich nicht wirklich gläubig bin." "Aber ein knallharter Atheist sind Sie auch nicht", lautete meine Antwort. Wir haben gelacht und nicht weiter über das Thema gesprochen. (...)

Religiöse Vorstellungen übersetzen Seit Mitte der Neunzigerjahre lässt sich bei Jürgen Habermas ein wachsendes Interesse am Thema Religion beobachten. Nach der Jahrhundertwende rücken religionsphilosophische Fragen zunehmend ins Zentrum seiner Theoriearbeit. Der Vordenker der Kritischen Theorie als Religionstheoretiker - das hat viele überrascht. Aber es zeigt: Der Verstorbene wollte religiösen Glauben als kulturelles Phänomen und Problem ernst nehmen. Es war ein theoretisches Interesse, das allerdings durch aktuelle Herausforderungen stimuliert wurde: Iranische Revolution, 9/11, neue christlich-fundamentalistische Christentümer in den Vereinigten Staaten. Die späte Hinwendung zur Religionsthematik bedeutete, anders als bei Max Horkheimer, keinerlei religiöse Konversion, etwa in dem Sinne, dass der alte Habermas nun fromm geworden wäre. Dagegen hat er sich zu Recht gewehrt.

Jürgen Habermas hat von der Religion sehr hoch gedacht, bisweilen gar zu hoch. Er sieht im Glauben eine Inspirationsquelle eigener Art. Religiöse Symbole seien zwar irrational und stünden in unaufhebbarer Spannung zum Wissen. Aber keineswegs seien sie in ihrer Irrationalität per se unvernünftig. Man dürfe nicht ausschließen, dass in Glaubensvorstellungen Vernunftgehalte inkarniert seien. (...)

Dass es viele religiöse Vorstellungen gibt, die zutiefst widervernünftig, also nicht übersetzbar, zu sein scheinen, ist Jürgen Habermas bewusst gewesen. Er bearbeitet dieses Problem in einer Reflexionsfigur, die sich als bewusstes Offenhalten beschreiben lässt: Viele überkommene religiöse Vorstellungsgehalte sind uns unverständlich geworden, leuchten uns nicht ein. Wir können ihnen keinerlei lebensdienliche Plausibilität mehr abgewinnen. Aber dennoch dürfen wir sie nicht vergessen, sondern sollen sie erinnernd präsent halten. Sein Argument: Man könne nicht ausschließen, dass andere, Spätere in ihnen einen vernünftigen Gehalt entdecken, einen Gehalt, der weitere Fortschritte von Humanität und Freiheit befördert. (...)

Diesen Wildwuchs an fiktionalen Bildern und Phantasmen begrifflich zu ordnen, bereitete den gelehrten Theologen erhebliche Schwierigkeiten. Nirgends wurde so viel gestritten wie im Themenfeld der Eschatologie. Aber die Theologen konnten zumindest relative Ordnung stiften: Dazu dienten ihnen insbesondere die bombastischen Totalitätsbegriffe der alteuropäischen, entscheidend von Aristoteles inspirierten Metaphysik, also Begriffe wie das Ganze, Gottes Vorsehung, Gottes Weltregierung, die Welt überhaupt und sofort. Daraus resultiert für uns Heutige ein Problem: Immer wieder und mit größter gedanklicher Konsequenz hat Jürgen Habermas darauf insistiert, dass uns seit der Kantischen Revolution der Denkungsart solche metaphysischen Ganzheitsbegriffe nicht mehr (oder nur um den Preis eines epistemologischen Selbstbetrugs) zur Verfügung stehen. Wir können also die alten Mythen der Endzeit nur mit nachmetaphysischen Denkmitteln zu übersetzen versuchen. Das ist nicht leicht, aber man muss es versuchen. (...)

Jürgen Habermas war ein Aufklärer mit starkem Interesse an Emanzipation und Förderung von Freiheit. Allerdings wusste er: Der Mensch ist nicht in der Weise frei, dass er sich sein Leben selbst gegeben hätte. Seine kindliche Behinderung hatte ihn dafür besonders sensibilisiert: Wir sind uns immer schon gegeben. Dieses passive Konstituiertsein, dieses Sich-gegeben-Sein des Menschen heißt in religiöser Sprache: Wir empfangen unser Leben aus Gottes Hand. Im Juni letzten Jahres hat Jürgen Habermas mehrere Tage lang in der Hebräischen Bibel gelesen. Er suchte nach einem Bibelvers für die Traueranzeige für seine Ute. Bei Jesaja wurde er fündig. "Und wird eine Hütte sein zum Schatten des Tages vor der Hitze, und eine Zuflucht und Verbergung vor dem Wetter und Regen." (Jesaja 4, 6) Wir geben das Leben von Jürgen Habermas nun zurück in Gottes Hand. Wir tun dies mit der dankbaren Gewissheit, dass Gott ihn in seine Hütte der "Zuflucht und Verbergung" geleiten wird.


Monday, March 30, 2026

Cristina Lafont - What if Religion Is not Special?

New paper by Cristina Lafont (Northwestern University):

What if Religion Is not Special? Political Justification Beyond the Religious–Secular (Open access)

(Democratic Theory, forthcoming)


Abstract

"Debates about the legitimacy of democratic decision-making often treat religion as a central category. In contrast, I propose an institutional account of democratic legitimacy that does not rely on the secular–religious distinction. On this view, religion is not politically special. It is socially special, though not uniquely so. Like science, the arts, or the family, religious practices merit appropriate treatment based on their distinctive characteristics. Thus, rejecting the idea that religion is uniquely special does not preclude democratic states from granting it special treatment. I examine Eisgruber and Sager’s egalitarian account of religious exemptions and argue that the institutional account provides a more compelling explanation of their legitimacy."


Tuesday, March 24, 2026